Manchmal beginnt eine grosse Geschichte mit einer Kleinigkeit, die einfach nicht funktionieren will. In unserem Fall ist es ein digitales Zertifikat.
2019 versucht einer von uns bei der Arbeit, Software für ein Embedded-Linux-System zu signieren. Zu Testzwecken setzt er das Ablaufdatum des Zertifikats auf seinen geplanten Pensionierungstag. Doch die Signierung schlägt fehl. Einfach so. Ohne Fehlermeldung, ohne ersichtlichen Grund.
Was ist da los?
Bei der Fehlersuche zeigt sich ein merkwürdiges Muster: Liegt das Ablaufdatum vor 2038, funktioniert die Signierung problemlos. Danach geht plötzlich nichts mehr.
Da war doch etwas! Das längst bekannte Unix-Zeitproblem kommt ihm wieder in den Sinn. Doch das Ausmass überrascht: Nicht nur die Signierung ist betroffen. Das gesamte Embedded-Linux-System kann mit Datumswerten jenseits der kritischen Zeitgrenze nicht umgehen. Und das trotz eines damals aktuellen Linux-Kernels!
Ein scheinbar simples Problem, für das sich in diesem Moment keine praktikable Lösung finden lässt.
Schnell drängt sich eine viel grössere Frage auf: Wenn bereits dieses System betroffen ist, wie viele andere Geräte und Anwendungen könnten dann weltweit vor demselben Problem stehen? Millionen? Oder gar Milliarden?
Vorerst beschäftigt diese Frage allerdings nur einen von uns. Noch weiss ausser unserem Softwareentwickler niemand von seiner Entdeckung. Das soll sich ausgerechnet dort ändern, wo man eigentlich ganz andere Dinge im Kopf hat.
Die Bieridee von Las Vegas
Während des inzwischen legendären Casino Walks 2019 in Las Vegas kommt das Thema spätabends bei einem Bier mit Freunden eher zufällig zur Sprache. Unser Entwickler erzählt von seinem rätselhaften Softwareproblem und seiner Vermutung, dass weltweit Milliarden Geräte und Systeme betroffen sein könnten.
Die Reaktion? Erst einmal ungläubiges Staunen! Ein derart gewaltiges Computerproblem, von dem kaum jemand spricht? Das klingt doch ziemlich unglaublich!
Doch je länger wir darüber diskutieren, desto mehr weicht die anfängliche Skepsis einer beunruhigenden Erkenntnis: Was, wenn er recht hat? Und wer kümmert sich eigentlich darum?
Irgendjemand muss doch etwas unternehmen! Irgendjemand muss die «Epochalypse» verhindern! Warum also nicht wir?
Die Bieridee ist geboren: Wir wollen die Welt retten!
Ein ziemlich ambitionierter Plan für einen Abend bei Bier in Las Vegas. Aber jede grosse Idee fängt irgendwann einmal klein an!

Aus der Bieridee wird «Y2K38 Infinitized»
Zurück in der Schweiz wollen wir es nicht bei grossen Worten belassen. Am 31. Oktober 2019 trifft sich das MFB-Team zu einem ersten Kick-off-Meeting. Die entscheidende Frage: Was können wir konkret tun, um die «Epochalypse» zu verhindern?
Wir loten mögliche Handlungsfelder aus, diskutieren Ideen und überlegen, wie wir unsere Kräfte am besten bündeln können. Aus der spontanen Bieridee wird ein konkretes Projekt mit einem ebenso ambitionierten Namen: «Y2K38 Infinitized».
Schnell wird klar, dass wir dieses Vorhaben nicht einfach nebenbei verfolgen wollen. Deshalb beschliessen wir, das Projekt im Rahmen einer neuen rechtlichen Gemeinschaft voranzutreiben.
Damit ist der Grundstein für die spätere BEOZ Association gelegt.


