John Titor – Ein Zeitreisender löst das Jahr 2038 Problem

Am 02. November im Jahr 2000 meldete sich jemand in einem öffentlichen Internet Forum unter dem Pseudonym TimeTravel_0 zu Wort und behauptete, ein Zeitreisender aus dem Jahr 2036 zu sein. Sein Name: John Titor, geboren 1998 in Florida. In den nachfolgenden Monaten beantwortete er vor allem Fragen zu seiner Zeitmaschine. Dabei äusserte er auch Vorhersagen über nahende Ereignisse und die mittelfristige Perspektive der Menschheit. Im März 2001 verabschiedete sich John Titor wieder in Richtung Zukunft.
Das „Erscheinen“ von John Titor warf hohe Wellen. Die Geschichte um seine Zeitreise wurde u.a. in Büchern (z.B. “John Titor: A Time Traveler’s Tale”), Filmen (“Time Traveler Zero”), Theaterstücken (“Time Traveler Zero Zero”) und sogar Videospielen (“Steins Gate”) verarbeitet. Auch das Schweizer Fernsehen produzierte eine Dokumentation.
Warum John Titor die Reise in die Vergangenheit auf sich nahm, wurde meistens nur am Rande erwähnt. Dieser Artikel beleuchtet das Ziel von John Titors Mission. Zum Vorschein kommt ein direkter Bezug zu unserer Mission: Dem Jahr 2038 Problem (y2k38 Bug)!

John Titors Mission

Die Frage, warum John Titor durch die Zeit reist, beantwortete er in einem Forumsbeitrag am 15. November 2000:

— John Titor, 15.11.2000

The first „leg“ of my trip was from 2036 to 1975. After two VGL checks, the divergance was estimated at about 2.5% (from my 2036). I was „sent“ to get an IBM computer system called the 5100. It was one the first portable computers made and it has the ability to read the older IBM programming langages in addition to APL and Basic. We need they system to „debug“ various lagacy computer programs in 2036. UNIX has a problem in 2038.

Die erste „Etappe“ meiner Reise war von 2036 bis 1975. Nach zwei VGL-Prüfungen wurde die Abweichung auf etwa 2,5 % (von meinem 2036) geschätzt. Ich wurde „geschickt“, um ein IBM-Computersystem namens 5100 zu besorgen. Es war einer der ersten tragbaren Computer, die hergestellt wurden, und er war in der Lage die älteren IBM-Programmiersprachen zusätzlich zu APL und Basic zu lesen. Wir brauchen dieses System, um im Jahr 2036 verschiedene veraltete Computerprogramme zu „debuggen“. UNIX hat ein Problem im Jahr 2038.

Das Jahr-2038-Problem (auch y2k38-Bug genannt) ist ein Zählerüberlauf, der im Jahr 2038 zu Computerfehlern und Systemabstürzen führen wird. Damit deckt sich die Mission von John Titor mit derjenigen von BEOZ Association.

Der IBM 5100

Der IBM 5100 Portable Computer ist einer der ersten tragbaren (24 kg) voll ausgestatteten Rechner. Das technische Herzstück war ein IBM PALM-Prozessor mit 1.9 MHz Takt, ausgestattet mit bis zu 64 KB Arbeitsspeicher. Der Computer wurde zwischen 1975 und 1978 für einen Preis von 10000 bis 20000 Dollar verkauft, je nach Konfiguration. Obwohl das Konzept revolutionär war, war die 5100 Serie ein Flop.

IBM 5100

John Titor nahm auf ein ganz bestimmtes Feature Bezug. Der 5100 basiert auf IBMs innovativem Konzept, dass ein kleiner und relativ billiger Computer mit Hilfe eines in Mikrocode geschriebenen Emulators Programme ausführen konnte, die bereits für viel größere und teurere Computer geschrieben worden waren.
Zwei solcher Programme waren im Lieferumfang enthalten: eine leicht modifizierte Version von APLSV, dem APL-Interpreter von IBM für seine System/370-Mainframes, und der BASIC-Interpreter, der auf dem System/3-Minicomputer von IBM verwendet wurde. Folglich kann der IBM 5100 den größten Teil der Funktionalität sowohl eines System/370 als auch eines System/3 emulieren. IBM hängte diese Möglichkeiten des 5100 nicht an die grosse Glocke, um nicht die deutlich teureren Mainframes zu konkurrenzieren. Viele interpretieren dieses Insider-Wissen von John Titor als Beweis für die Authentizität seiner Geschichte.

Wie löst man das Jahr 2038 Problem mit dem IBM 5100?

John Titor selbst scheint nicht zu wissen, wie genau das Jahr 2038 Problem mit dem IBM 5100 zu lösen ist.

— John Titor, 07.12.2000

I have to believe there must be a UNIX expert out there someplace that can confirm that. I’m not exactly sure what the technical issue is but I believe some sort of UNIX system registry stops in 2038.

Ich glaube, dass es da draußen irgendwo einen UNIX-Experten gibt, der das bestätigen kann. Ich bin mir nicht ganz sicher, was das technische Problem ist, aber ich glaube, dass irgendeine Art von UNIX-Systemregistrierung im Jahr 2038 aufhört.

Er ist ein einfacher Soldat mit dem Auftrag einen IBM 5100 im Jahr 1975 sicherzustellen und ihn ins Jahr 2036 zurückzubringen. Kein Computerexperte.

— John Titor, 11.01.2001

I don’t believe I ever said I came back looking for a UNIX bug fix. I came back for a computer system.

Ich glaube nicht, dass ich jemals gesagt habe, dass ich zurückgekommen bin, um einen UNIX-Fehler zu beheben. Ich bin wegen eines Computersystems zurückgekommen

Wie dem y2k38 Bug mit einem alten IBM Computer beizukommen ist, bleibt also weiterhin im Dunkeln.

John Titor: Erster Zeitreisender oder ein Internet Hoax?

Ist die Geschichte um John Titor nun wahr oder doch eher eine Falschmeldung, ein sogenannter Hoax? Wir tendieren dazu, die Story als eine „Urban Legend“ abzutun. Zeitreisen lösen bei uns im Allgemeinen Kausalitäts-Knoten in den Gehirnwindungen aus. Auch apokalyptische Voraussagen von John Titor (Nuklearkrieg) haben in unserem positiven Menschenbild keinen Platz. Seine Geschichte ist wie ein Cocktail aus „Back to the Future“ und „Terminator„, mit einer Prise „Ghost Busters„. Geschüttelt, nicht gerührt.
Eine Untersuchung aus dem Jahr 2009 unterstützt unser vorläufiges Urteil. Bei John Titor soll es sich um eine Schöpfung von Larry Haber, einem Anwalt für Unterhaltungsrecht aus Florida, und seinem Bruder Morey, einem Computerwissenschaftler, handeln.

BEOZ sucht IBM 5100

Trotz unserer eher kritischen Haltung zu John Titor, wollen wir alle Register ziehen um die Epochalypse zu verhindern. Falls ihr einen IBM 5100 zu Hause herumstehen habt, sendet ihn bitte an BEOZ Association, 6000 Luzern. Eine Ehrenmitgliedschaft bei BEOZ ist dem Spender sicher. Dies gilt übrigens auch für dich, John Titor. Bitte melde dich!